Bei der Biennale in Venedig 1986 bespielte Sigmar Polke den deutschen Pavillon und wurde dafür mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Die zentralen Elemente der Präsentation begründeten Polkes internationalen Ruf als „Alchemist der Malerei“ und sie genießt in der Kunstszene bis heute Kultstatus: Polke zeigte großformatige Gemälde, für die er vielfältige Materialien genutzt hat, die in der traditionellen Malerei unbekannt waren, etwa Lacke, Silber- und Jod-Verbindungen, Blattsilber etc. Einige dieser Chemikalien reagieren mit der Umgebung, beispielsweise mit Luftfeuchtigkeit oder Licht, und Polke hatte eingeplant, dass sich die Erscheinung der Gemälde somit verändern kann. Beispielsweise sieht ein bedeutendes Gemälde aus dieser Werkphase, „Wachturm III“ (1984-85) in der Stuttgarter Staatsgalerie, heutzutage insbesondere bei Blau-/Grün-/Violetttönen deutlich anders aus als auf Fotos, die kurz nach der Entstehung des Bildes aufgenommen worden. Bei der Präsentation auf der Biennale in Venedig 1986, deren Titel „Athanor“ den arabischen Namen eines von Alchemisten verwendeten Ofens aufgreift, führte Polke den Einsatz dieser vielfältigen Materialien sogar noch einen Schritt weiter, indem er sie auch direkt auf eine zentrale Wand des deutschen Pavillons aufbrachte und somit eine neue Form von Wandmalerei schuf.
Aus Anlass des vierzigjährigen Jubiläums hat die Anna Polke-Stiftung das Projekt „Sigmar Polke. Athanor NOW“ initiiert. Dieses untersucht das durch ungewöhnliche Materialien geprägte Schaffen Polkes insbesondere in den 1980er Jahren und umfasst auch zahlreiche öffentliche Veranstaltungen und Ausstellungen in verschiedenen Museen in Deutschland und darüber hinaus.
Details hierzu finden sich auf der Projekthomepage: https://sigmar-polke-athanor-now.com/